Alles über die Pflegegrade 2 bis 5


Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten ausweisen und deshalb Hilfe von anderen benötigen. Dabei sind nur solche Personen pflegebedürftig, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen sowie gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.
Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, das heißt für mindestens sechs Monate bestehen.

Es entscheidet der Grad der Selbständigkeit bei der Durchführung von Aktivitäten und der Gestaltung von Lebensbereichen.

Übersicht der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung 2016/2017

Leistung Pflegestufe Pflegegrad Höchstbeträge
bis 31.12.2016 bis 01.01.2017 bis 31.12.2016 ab 01.01.2017
Pflegegeld (Anspruch monatlich)

Hinweis: Eine Kombination von Pflegegeld- und Pflegesachleistungen ist möglich.

Der Gestzgeber sieht für Pflegebedürftige der Pflegestufe III mit EdA* kein höheres Pflegegeld vor.
unterhalb der Pflegestufe I (Pflegestufe 0) 2 123 316
Pflegestufe I 2 244 316
Pflegestufe I (mit EdA*) 3 316 545
Pflegestufe II 3 458 545
Pflegestufe II (mit EdA*) 4 545 728
Pflegestufe III 4 728 728
Pflegestufe III (mit EdA*) 5 728 901
Pflegesachleistung (Anspruch monatlich)

Hinweis: Eine Kombination von Pflegegeld- und Pflegesachleistungen ist möglich.

Der Gestzgeber sieht für Pflegebedürftige der Pflegestufe III mit EdA* kein höheres Pflegegeld vor.
unterhalb der Pflegestufe I (Pflegestufe 0) 2 231 689
Pflegestufe I 2 468 689
Pflegestufe I (mit EdA*) 3 689 1.298
Pflegestufe II 3 1.144 1.298
Pflegestufe II (mit EdA*) 4 1.298 1.612
Pflegestufe III 4 1.612 1.612
Pflegestufe III (mit EdA*) 5 1.612 1.995
für besondere Härtefälle 5 1.995 1.995
Tages- und Nachpflege (Anspruch monatlich)

Hinweis: Die Leistung kann zusätzlich zum Pflegegeld oder zur Pflegesachleistung in Anspruch genommen werden.
unterhalb der Pflegestufe I (Pflegestufe 0) 2 231 689
Pflegestufe I 2 468 689
Pflegestufe I (mit EdA*) 3 689 1.298
Pflegestufe II 3 1.144 1.298
Pflegestufe II (mit EdA*) 4 1.298 1.612
Pflegestufe III 4 1.612 1.612
Pflegestufe III (mit EdA*) 5 1.612 1.995
Vollstationäre Pflegeleistung in Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen (Anspruch monatlich) Pflegestufe I, II oder III Pflegegrad 2 bis 5 266 266
Urlaubs- und Verhinderungspflege (Anspruch je Kalenderjahr für längstens 6 Wochen und bis 2.418 € bei noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Kurzzeitpflege) alle Pflegestufen Pflegegrad 2 bis 5 1.612 1.612
Kurzzeitpflege (Anspruch je Kalenderjahr für längstens 8 Wochen und bis 3.224 € bei noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Urlaubs- und Verhinderungspflege) alle Pflegestufen Pflegegrad 2 bis 5 1.612 1.612
Zuschuss für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes alle Pflegestufen alle Pflegegrade 4.000 4.000
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (Anspruch monatlich) alle Pflegestufen alle Pflegegrade 40 40
Wohngruppenzuschlag (Anspruch monatlich) alle Pflegestufen alle Pflegegrade 205 214
Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in der häuslichen Versorgung (Anspruch monatlich) Pflegestufe I, II oder III (ohne EdA*) alle Pflegegrade 104 Ent­las­tungs­betrag
alle Pflegestufen (mit EdA*) Grundanspruch 104
Erhöhter Anspruch 208

* EdA = Einschränkung der Alltagskompetenz (vor allem an Demenz erkrankte Menschen)


Präambel

Die gewählten Leistungen richten sich nach den Selbstpflegemöglichkeiten des Pflegebedürftigen, dem Pflegebedarf sowie den Möglichkeiten und Fähigkeiten der an der Pflege beteiligten Personen. Leistungsart und Leistungsinhalte werden vom Pflegedienst als Unterstützung, als teilweise oder vollständige Übernahme der Versorgung oder im Rahmen der Beaufsichtigung, Aufforderung, Motivation, Anleitung und Befähigung des Pflegebedürftigen mit dem Ziel der Förderung der Selbständigkeit erbracht.

Bei den Leistungsinhalten wird nicht unterschieden, ob die Leistungen für vorrangig somatisch beeinträchtigte Pflegebedürftige oder vorrangig kognitiv und psychisch beeinträchtigte Pflegebedürftige erbracht werden. Sämtliche Hilfen sind im Rahmen der aktivierenden, ressourcenorientierten Pflege zu erbringen. Die aktivierende Pflege einschließlich der Kommunikation mit dem Pflegebedürftigen stellt keine eigenständige Leistung dar. Sie ist vielmehr selbstverständlicher Bestandteil aller zu erbringenden Leistungen.

Das Vorbereiten und Aufräumen des unmittelbaren Arbeitsbereiches ist Bestandteil jedes Einsatzes.

Nimmt der Pflegebedürftige auf eigenen Wunsch nicht alle Tätigkeiten einer Leistung in Anspruch, so führt das nicht zu einer Änderung der Punktzahl und der damit verbundenen Vergütung.

Mehrere Pflegebedürftige können Pflege- und Betreuungsleistungen sowie hauswirtschaftliche Versorgung gemeinsam in Anspruch nehmen. Die dadurch entstehenden Synergien sollen u. a. für die Betreuung der beteiligten Pflegebedürftigen genutzt werden.

Leistungen, die der Pflegebedürftige über die Begrenzung in den Erläuterungen hinaus mit dem Pflegedienst vereinbart, sind als Privatleistung vom Pflegebedürftigen selbst zu tragen.

Leistungs-komplex Leistungsart Leistungsinhalt Punkte Erläuterungen
1 Kleine Morgen- / Abendtoilette außerhalb des Bettes
  1. Unterstützung beim Aufstehen / Zubettgehen
  2. Fortbewegung innerhalb der Wohnung (Transferleistung)
  3. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  4. Benutzen der Toilette / des Toilettenstuhls
  5. Teilwaschen
  6. Mundpflege und Zahnpflege
  7. Kämmen
370 je Einsatz nicht mit LK 2, 2a, 3, 4, 4a und 8 abrechenbar
2 Kleine Morgen- / Abendtoilette im Bett
  1. Unterstützung beim Aufstehen / Zubettgehen
  2. Fortbewegung innerhalb der Wohnung (Transferleistung)
  3. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  4. Benutzen der Toilette / des Toilettenstuhls
  5. Teilwaschen
  6. Mundpflege und Zahnpflege
  7. Kämmen
210 je Einsatz nicht mit LK 1, 2a, 3, 4 und 4a abrechenbar
2a Kleine Morgen- / Abendtoilette außerhalb des Bettes
  1. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  2. Teilwaschen
  3. Mundpflege und Zahnpflege
  4. Kämmen
210 je Einsatz nicht mit LK 1, 2, 3, 4 und 4a abrechenbar
3 Große Morgen- / Abendtoilette außerhalb des Bettes
  1. Unterstützung beim Aufstehen / Zubettgehen
  2. Fortbewegung innerhalb der Wohnung (Transferleistung)
  3. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  4. Benutzen der Toilette / des Toilettenstuhls
  5. Waschen / Duschen / Baden
  6. Rasieren
  7. Mundpflege und Zahnpflege
  8. Kämmen
580 je Einsatz nicht mit LK 1, 2, 2a, 4, 4a und 8 abrechenbar
4 Große Morgen- / Abendtoilette im Bett
  1. Unterstützung beim Aufrichten / Hinsetzen bzw. Hinlegen
  2. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  3. Waschen
  4. Rasieren
  5. Mundpflege und Zahnpflege
  6. Kämmen
420 je Einsatz nicht mit LK 1, 2, 2a, 3 und 4a abrechenbar
4a Große Morgen- / Abendtoilette außerhalb des Bettes
  1. An- / Auskleiden inkl. Wechseln der Kleidung
  2. Waschen / Duschen / Baden
  3. Rasieren
  4. Mundpflege und Zahnpflege
  5. Kämmen
420 je Einsatz nicht mit LK 1, 2, 2a, 3 und 4 abrechenbar
5 Lagern
  1. Körper- und situationsgerechtes Lagern
  2. Mobilisierung
90 abrechenbar bei bettlägerigen oder in der Mobilität erheblich eingeschränkten Pflegebedürftigen
6 Hilfe bei der Nahrungs­aufnahme
  1. Vorbereitung und Einnehmen der Essensposition
  2. Unterstützung beim Essen und Trinken
270 abrechenbar, wenn Beaufsichtigung oder Anleitung bzw. direkte Hilfe bei der Nahrungsaufnahme notwendig ist
7 Sondenkost bei implantierter Magensonde (PEG)
  1. Aufbereitung und Richten der Sondenkost
  2. Sachgerechte Verabreichung der Sondenkost
  3. Hygiene im Zusammenhang mit der Verabreichung von Sondenkost
90
8 Darm- und Blasenentleerung
  1. Ggf. Fortbewegen innerhalb der Wohnung (als Transferleistung)
  2. Unterstützung bei der physiologischen Blasen- und Darmentleerung
  3. Unterstützung bei Inkontinenz (z. B. Urinal, Inkontinenzvorlagen, Wechseln des Stomabeutels)
  4. Intimhygiene und zugehörige Hautpflege
  5. Säuberung des Pflegebereiches von Verunreinigungen durch Ausscheidungen sowie ggf. die Entsorgung von Ausscheidungen
  6. ggf. das dazugehörige An- und Auskleiden
160 je Einsatz nicht mit LK 1 und 3 abrechenbar
9 Hilfestellung beim Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  1. An- / Auskleiden im Zusammenhang mit dem Verlassen oder Wiederaufsuchen der WohnungTreppensteigen
80
10 Begleitung außer Haus Begleitung zu Aktivitäten (ohne Wartezeit), bei denen das persönliche Erscheinen erforderlich und ein Hausbesuch nicht möglich ist (keine Spaziergänge, kulturelle Veranstaltungen) 630 max. 10x im Monat abrechenbar
Besteht die Notwendigkeit einer darüber hinausgehender Inanspruchnahme, ist dies durch den Pflegedienst nachzuweisen.
11 Beheizen der Wohnung
  1. Beschaffung des Heizmaterials aus dem Vorrat des Haushaltes
  2. Heizen
  3. Entsorgung der Rückstände im Hausmüll
110 täg­lich
12 Aufräumen und / oder Reinigung der Wohnung
  1. Aufräumen und / oder Reinigen des allgemein üblichen Lebensbereiches (umfasst i.d.R. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, Flur)
  2. Trennung und Entsorgung des Abfalls
130 täg­lich Bündelung möglich
13 Wäsche­versorgung
  1. Waschen und Pflege der Wäsche und Kleidung (z. B. Bügeln)
  2. Einräumen der Wäsche
380 wö­chent­lich
13a Wechseln der Bettwäsche Wechseln der Bettwäsche 120
14 Einkaufen
  1. Erstellen eines Einkaufs- und Speiseplanes
  2. das Einkaufen von
    1. Lebensmitteln
    2. sonstigen notwendigen Bedarfsgegenständen der Hygiene und hauswirtschaftlichen Versorgung, z. B. Gesichtscreme und Putzmittel
  3. Unterbringung der eingekauften Gegenstände in der Wohnung / Schrank
60 täg­lich, max.320 wö­chent­lich Bündelung möglich
16 Zubereitung einer sonstigen Mahlzeit in der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen
  1. Mundgerechtes Zubereiten und bedarfsgerechtes Bereitstellen von Nahrung und Getränken
  2. Spülen
  3. Reinigen des unmittelbaren Arbeitsbereiches
70 max. 3x am Tag abrechenbar
In begründeten Fällen, z. B. bei Schluckstörungen, ist eine mehrmalige Abrechnung am Tag möglich. Die Notwendigkeit ist durch den Pflegedienst nachzuweisen.
16a Aufbereitung einer warmen Mahlzeit (z. B. Essen auf Rädern) in der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen
  1. Mundgerechtes Zubereiten und bedarfsgerechtes Bereitstellen von Nahrung und Getränken
  2. Spülen
  3. Reinigen des unmittelbaren Arbeitsbereiches
100 max. 3x am Tag abrechenbar
17 Pflegeeinsätze nach § 37 Abs. 3 SGB XI
  1. Beratung
  2. Hilfestellung
  3. Bestätigung Beratungsbesuch
/ Vergütung gemäß § 37 (3) SGB XI
18 Erstbesuch
  1. Anamnese
  2. Pflegeplanung
  3. Beratung zum / Abschluss eines Pflegevertrages
/ Der Erstbesuch kann nur abgerechnet werden, wenn der Pflegedienst erstmalig mit der Betreuung des Pflegebedürftigen beauftragt wird.
18a Folgebesuch bei veränderter Pflegesituation
  1. Erfassung von Veränderungen im häuslichen Pflegeumfeld
  2. Aktualisierung der Pflegeplanung
  3. Beratung bei der Auswahl der Leistungen
  4. Anpassung des Pflegevertrages
  5. bei Bedarf Beratung und Planung pflegerischer Maßnahmen in der finalen Lebensphase
70 % der Ver­gü­tung des LK 18 bei erheblicher Änderung der Pflegesituation

max. 2 im Jahr abrechenbar

Der Pflegedienst hat den Pflegebedürftigen vorab auf die anfallenden Kosten hinzuweisen.
30 Pflegerische Betreuungs­maßnahmen Unterstützungsleistungen zur Bewältigung und Gestaltung des alltäglichen Lebens im häuslichen Umfeld, insbesondere
  1. bei der Bewältigung psychosozialer Problemlagen oder von Gefährdungen (z.B. durch Hilfen zur Kommunikation, emotionale Unterstützung, Präsenz),
  2. bei der Orientierung, bei der Tagesstrukturierung, bei der Kommunikation, bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und bei bedürfnisgerechten Beschäftigungen im Alltag sowie
  3. durch Maßnahmen zur kognitiven Aktivierung (z.B. durch Hilfen, die das Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld ermöglichen, Erinnern an wesentliche Ereignisse und Beobachtungen, Verstehen von Sachverhalten und Informationen oder Erkennen von Risiken und Gefahren).
160 mehrfach abrechenbar